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Immer wieder habe ich mit Stalking bei meinen Mandantinnen zu tun. Je nachdem, wie die Frau auf das Stalking reagiert, ist der Spuk alsbald wieder vorüber oder wird zu einem Dauerzustand.

Wer sich Nachstellungen durch einen Mann ausgesetzt sieht (sog. Stalking), muss zuersteinmal eine Grundentscheidung treffen: Will ich ein Opfer sein oder will ich mich wehren? 

Opferstrategie

Die Opferstrategie zielt darauf ab, dass sich der Täter müde läuft.

Das Opfer zieht um, wechselt Telefonanschluss, E-mail-Account und legt ein neues Facebook-Profil an. Es versteckt sich. Manche Opfer gehen zu einem Rechtsanwalt (der eine teure aber oft nutzlose zivilrechtliche Abwehrschlacht anfängt) und/oder erstatten eine Strafanzeige (die für sich alleine meist auch nichts einbringt).

Die Opferstrategie ist weitgehend erfolglos. Selbst wenn der Täter das Opfer aus den Augen verlieren sollte, macht er weiter, wenn er es zufällig wieder irgendwo trifft.

Gegenwehrstrategie

Die Frau erklärt dem Täter eigeninitiativ (am Telefon oder direkt in einem Gespräch, zu dem sie in Begleitung einer anderen Person geht), dass er sie in Ruhe lassen soll, sonst erlebt er sein blaues Wunder. Das beeindruckt die meisten Stalker schon einmal. Nichts beeindruckt Menschen so sehr, wenn man Ihnen direkt die Stirn bietet. Damit fallen Sie in der Regel aus dem Beuteschema des Stalkers (alleinstehende zurückhaltende Frauen) heraus.

Hilft dies nicht, geht die Frau auf allen Kanälen zum Gegenangriff über:

  • ausführliche schriftliche Strafanzeige (hat im wesentlichen die Funktion, die Polizei zu sensibilisieren), danach wird die Polizei schriftlich über alle weiteren Belästigungen informiert
  • Öffentlichkeit herstellen: Auf twitter, Facebook etc. macht die Frau im Freundes- und Bekanntenkreis öffentlich, dass Herr XYZ ihr nachstellt und sie belästigt (Subtext: "Ist das nicht unglaublich, der Kerl lässt mich einfach nicht in Ruhe"). Sprechen Sie Ihre Nachbarn auf das Problem an, zeigen Sie ein Foto des Täters, soweit Sie eines besitzen.
  • Anrufe vom Täter: Ist Ihnen die Nummer unbekannt oder es ist seine Nummer: Lassen Sie einen Mann rangehen (Arbeitskollege, Nachbar, Bekannter, wer auch immer) der sich dann mit "bei .... " meldet. Wenn Sie einen solchen Helfer gerade nicht zur Hand haben, können Sie variieren: Sagen Sie ihm, dass Sie das Gespräch aufzeichnen. Erklären Sie ihm, dass er nicht mehr anrufen soll. Und dass er Ärger bekommen wird. Dann legen Sie auf. Oder Sie rufen am Telefon vorbei "Christoph, kommst Du mal bitte? Da ist wieder dieser Kerl am Telefon!" und dann suchen Sie einen Mann, dem Sie kurz flüsternd erklären, dass da ein Stalker anruft und der Mann solle so tun, als sei er Ihr Freund. Da macht jeder Mann gerne mit.
    (Alle Anrufe, sms etc. bitte auf einem Blatt vermerken, das dann in Kopie an die Polizei geht)
  • einen Mann hinschicken oder anrufen lassen, der dem Stalker eine letzte Warnung gibt ("Kumpel, wenn das noch mal vorkommt, gibt es was auf die Ohren" oder noch effektiver "Alter, was rufst Du meine Freundin an?").
  • Besorgen Sie sich einen großen Hund, am besten einen, der abgerichtet ist. Ist nicht billig, verspricht aber eine hohe Sicherheit (sie werden auch beim Gassigehen viele andere nette Hundebesitzer kennen lernen, vielleicht sogar auch einen neuen Partner, aber das ist eine andere Geschichte). Fraglich ist aber, was sie mit dem Hund machen, wenn Sie zur Arbeit gehen. Sprechen Sie mit Ihrem Arbeitgeber.
  • Besorgen Sie sich eine Dose Pfefferspray oder Reizgas, die Sie immer bei sich tragen (am Körper, nicht in der Handtasche). Probieren Sie das Spray einmal im Wald aus und machen Sie sich mit der Benutzung vertraut.
  • Verfolgt er Sie in der Öffentlichkeit, so gehen Sie mit dem Funktelefon und dem Reizgas in der Hand laut rufend auf ihn zu "Ich habe Dir gesagt, Du sollst mich in Ruhe lassen, Du Stalker, verschwinde oder ich rufe die Polizei!" Filmen Sie ihn dabei. In der Regel finden sich dann meist Menschen, die Ihnen sogleich zur Seite springen. Sprechen Sie die Umstehenden an "Rufen Sie bitte die Polizei, der Kerl stellt mir nach, der ist ein Stalker".
  • absolvieren Sie einen Selbstverteidigungskurs z.B. Krav Maga (hocheffektive Nahkampftechnik der israelischen Armee), bitte aber nicht so etwas wie Judo oder Teakwondo - das hilft Ihnen im Ernstfall nichts.
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