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Praxisbewertung: Der Bundesgerichtshof hat sich zu der umstrittenen Frage geäußert, wie der immaterielle Wert einer Arztpraxis zu ermitteln ist, wenn diese aufgelöst und verwertet wird. Laut BGH ist bei der Bemessung des in einer Arztpraxis enthaltenen Goodwill (sog. immaterieller Praxiswert) die modifizierte Ertragswertmethode einzusetzen. Vom Ergebnis dieser Bewertung ist für den Arzt ein Unternehmerlohn abzuziehen, der sich an den individuellen Verhältnissen des Inhabers orientiert (Bundesgerichtshof, Urteil vom 9. Februar 2011 – XII ZR 40/09). 

Wie wird das Vermögen einer Gemeinschaftspraxis nach deren Ende verteilt?Der immaterielle Wert einer Arztpraxis ist schwer meßbar, weil er in der Summe der Patientenbindungen besteht. Der Bundesgerichtshof hat schon in seiner bisherigen Rechtsprechung die Benutzung einer modifizierten Ertragswertmethode gebilligt, die sich an den durchschnittlichen Erträgen orientiert und davon einen individuellen Unternehmerlohn des Inhabers abgesetzt.

Das Urteil vom 9.2.2011, das in einem Fall einer Streitigkeit über den Zugewinnausgleich nach Scheidung eines Arztes erging, stellt klar, wie eine Praxis bei einer Auseinandersetzung zwischen den Ärzten der Wert der Praxis bewertet werden kann, nämlich nach der modifizierten Ertragswertmethode. Bei dieser wird in einem komplexen Berechnungsverfahren der künftig zu erwartende Gewinn ermittelt.

Damit unterscheidet sich die Methode deutlich z.B. von der oft verwendeten neuen Bundesärztekammermethode, bei der im wesentlichen auf die bisherigen Umsätze geschaut wird.

Der BGH sagt aber nicht, dass einzig die Ertragswertmethode angewendet werden darf. Ärzte können bei der Berechnung des Goodwills (d.h. der Wert der Patientenbindung - dies ist oft der wesentliche Wert einer Arztpraxis) also durchaus auch auf die - weit einfacher zu berechnende - neue Bundesärztekammermethode zurückgreifen.

Neben der Frage der Wettbewerbsverbote ist die der Bewertung der Praxis einer der Hauptstreitpunkte zwischen Ärzten, die ihre Gemeinschaftspraxis auflösen und getrennter Wege gehen. Diese Streitigkeiten kosten Zeit und Geld und können auch die Patienten entnerven. In der Praxis hat sich gezeigt, dass eine schnelle überschlägige Berechnung auf Basis der neuen Bundesärztekammermethode eine brauchbare Arbeitsgrundlage für eine Auseinandersetzung bietet, während die Berechnung nach der modifizierten Ertragswertmethode zeitaufwändig und teuer ist, da sie meist nur über einen Sachverständigen erfolgen kann.

Praxistipp:

Ärzten ist zu empfehlen, schon im Vertrag über die Gemeinschaftspraxis festzulegen, nach welcher Methode der Wert der Praxis einmal ermittelt werden soll. Hilfreich ist es auch, ein Rechenbeispiel anzufügen. So lassen sich zeitraubende Streitigkeiten zwischen den ehemaligen Praxispartnern oder deren Erben vermeiden. 

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