Urteil des Gerichts(1.7.2024) Ein Arzt, der die Zusatzbezeichnung „Schlafmedizin“ trägt, hat keinen Anspruch auf eine Sonderbedarfszulassung, um ein fehlendes Angebot der Polysomnographie auszugleichen. Denn die Schlafmedizin eröffnet keine Subspezialisierung, welche die Annahme eines qualifikationsbezogenen Sonderbedarfs rechtfertigen könnte (Sozialgericht Magdeburg, Urteil vom 21.02.2024 - S 1 KA 65/20). 

Der Fall:

Im Streit standen Sonderbedarfszulassungen für einen Facharzt für Nervenheilkunde und einen Facharzt für Innere Medizin im Bereich Schlafmedizin.

Beide hatten eine längere Vorbereitung durchlaufen und unter anderem Bestätigungen über einen ungedeckten Bedarf von Fachkollegen eingeholt, um den geltend gemachten Sonderbedarf zu belegen. 

Der Zulassungsausschuss hatte ihren Anträgen auf jeweils hälftige Sonderbedarfszulassungen entsprochen. Dann hatten aber konkurrierende Kollegen widersprochen und der Berufungsausschuss hatte einen Sonderbedarf verneiint.

Die beiden Ärzte klagten deshalb auf Erhalt der Sonderbedarfszulassungen.

Die Entscheidung:

Das Sozialgericht wies die Klage nun aber als unbegründet ab, ließ aber eine Revision durch das Bundessozialgericht zu. 

Das Sozialgericht führt dazu aus, dass gemäß § 37 BedarfsplRL:

  • ein „lokaler“ Sonderbedarf nicht schon dann gegeben sei, wenn in den jeweiligen Planungsbereichen keine schlafmedizinischen Leistungen, insbesondere keine Polysomnographie angeboten werde - vielmehr erfordere der lokale Sonderbedarf, dass das ganze Leistungsspektrum einer Facharztgruppe in einem eindeutig umgrenzten räumlichen Gebiet nicht oder nicht ausreichend zur Verfügung stehe.
  • ein "qualifikationsbezogener" Sonderbedarf bestehe, wenn im jeweligen Planungsbereich ein Angebot von speziellen Leistungen fehle, welches das Vorliegen einer besonderen Qualifikation des Arztes verlange - dafür müssten bestimmte qualifizierte ärztliche Tätigkeiten nicht oder nicht in ausreichendem Maße zur Verfügung stehen und der antragstellende Arzt die dafür erforderlichen Qualifikationen durch die entsprechende Facharztbezeichnung sowie die besondere Arztbezeichnung oder Qualifikation nachweise. Erforderlich sei dafür, dass der Arzt eine zusätzliche Qualifikation erworben habe, die bezüglich der Weiterbildungszeit und hinsichtlich der Breite des damit verbundenen Leistungsspektrums (vgl. § 37 Abs. 3 BedarfsplRL) mit einem Schwerpunktfach auf einer Stufe stehe. Dies erforder eine Weiterbildungszeit von 36 Monaten. Die für die Erlangung der Bezeichnung "Schlafmedizin" erforderlichen Qualifikationen sei dafür aber zu gering, so das Sozialgericht.

Praxisanmerkung:

Die Entscheidung verdeutlicht erneut, wie lang und schwierig der Weg zu einer Sonderbedarfszulassung ist. Das bedeutet nicht, dass eine Sonderbedarfszulassung ausgeschlossen ist. Der Sonderbedarf muss aber nicht nur bestehen (lokal oder qualifikationsbezogen), sondern er muss wegen der nur schlechten Amtsermittlung der Zulassungsausschüsse de facto von dem antragstellenden Arzt auch nachgewiesen werden. Dazu ist einige Vorbereitung und vor allem eine nicht unerhebliche Eigenarbeit des antragstellenden Arztes nötig. Hilfreich sind dabei unter anderem Bestätigungen eines ungedeckten Bedarfs bzw. erheblichen Wartezeiten von Fachkolllegen, Patienten oder Versicherungen - Bestätigungen, die allesamt schwer zu bekommen sind. Wie der vorliegende Fall zeigt, kann ein Widerspruch eines konkurrierenden Kollegen dann aber doch noch alles zu Fall bringen. 

English version:

(July 1, 2024) A doctor who has the additional title of "sleep medicine" is not entitled to a special needs license to compensate for a lack of polysomnography. This is because sleep medicine does not allow for subspecialization that could justify the assumption of a qualification-related special need (Magdeburg Social Court, judgment of February 21, 2024 - S 1 KA 65/20).

The case:

The dispute concerned special needs licenses in the field of sleep medicine for a specialist in neurology and a specialist in internal medicine.

Both had undergone lengthy preparation and, among other things, obtained confirmation of an unmet need in the area of sleep medicine from specialist colleagues in order to substantiate the special need claimed.

The admissions committee had approved their applications for half of the special needs licenses each. But then competing colleagues objected and the appeals committee denied any special need in the area of sleep medicine.

The two doctors therefore sued to obtain the special needs permits.

The decision:

The social court dismissed the lawsuit as unfounded, but allowed an appeal to the Federal Social Court.

The social court explains that according to § 37 BedarfsplRL:

  • a "local" special need does not exist if no sleep medicine services, in particular no polysomnography, are offered in the respective planning areas - rather, the local special need requires that the entire range of services of a group of specialists is not available or not sufficiently available in a clearly defined spatial area.
  • a "qualification-related" special need exists if there is no offer of special services in the respective planning area, which requires the doctor to have special qualifications - for this to happen, certain qualified medical activities must not be available or not be available to a sufficient extent and the doctor applying must prove the necessary qualifications by means of the corresponding specialist title and the special doctor title or qualification. This requires that the doctor has acquired an additional qualification that is on a par with a specialist subject in terms of the length of training and the breadth of the associated range of services (§ 37 BedarfsplRL). This requires a training period of 36 months. However, the qualifications required to obtain the title "sleep medicine" are too low for this, according to the Social Court.

Practical note:

The decision once again shows how long and difficult the path to a special needs approval is. This does not mean that special needs approval is excluded. However, the special needs must not only exist (locally or qualification-related), but must also be proven by the applying doctor due to the poor official investigation by the approval committees. This requires some preparation and, above all, a not inconsiderable amount of work on the part of the applying doctor. Confirmation of unmet needs or significant waiting times from specialist colleagues, patients or insurance companies can be helpful in this regard - confirmations that are all difficult to obtain. As the present case shows, however, an objection from a competing colleague can still bring everything to a halt.

Rechtsanwalt und Fachanwalt für Medizinrecht Philip Christmann
Vertretung und Beratung im Medizinrecht und Arztrecht
Witzlebenstraße 3 - 14057 Berlin - Tel: (030) 536 47 749
E-mail: mail@christmann-law.de


Wir benutzen Cookies

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.